TANZ IN DEN MAI 2013

Der Untere Hardthof in Gießen lädt am Dienstag, 30. April wieder in seiner Galerie – und bei schönem Wetter – auch im Kastanienhof zum “Tanz in den Mai” ein und führt damit – auf vielfachen Wunsch – eine Tradition fort, die geprägt ist vom besonderen Charme der Umgebung, guter Bewirtung und vor allem der Freddy- Becker-Combo. 

Samba, Tango, Blues, Musette aber auch Rock und Boogie passen ideal in die reizvolle Umgebung des Hardthofs, der mit dieser kultigen Veranstaltung ein musikalisches Highlight zum Tanzen und Treffen bietet.

WELTENBUMMLER

Die Kombinationen von Portrait und Landschaft zeigen unwirkliche, verträumte, sowie teils bedrohliche Orte und laden ein, für eine kurze Zeit in eine andere Welt einzutauchen.

 

Einsame Landschaften verschiedener geografischer Zonen wecken Erinnerungen und Sehnsüchte die zum Träumen einladen. Das Spiel mit der veränderten Farbigkeit, sowie die Einbindung von Strukturen, unterstützen die traumhafte und unwirkliche Wahrnehmung. Die weichen, melancholisch wirkenden Portraits mit geschlossenen Augen laden den Betrachter ein, ihnen in ihre Welten zu folgen. Die Bildkombinationen stellen ein Wechselspiel zwischen Harmonie und Idylle, sowie zwischen Einsamkeit und Melancholie dar. Sie werfen Fragen nach Realität oder Traum, wie auch nach Leben und Tod auf. Die Antworten und Zusammenhänge findet der Betrachter jeweils auf seiner Reise in die Bildwelten selbst.

 

Ausstellungszeiten

 

Sa 08.09.2012 & So 09.09.2012       14-17:00 Uhr

Di 11.09.2012 & Do 13.09.2012        15-18:00 Uhr

Sa 15.09.2012 & So 16.09.2012       14-17:00 Uhr

KATJA EBERT-KRÜDENER & DANIEL HORVAT

Werke von Katja Ebert-Krüdener, Dots, Malerei und Daniel Horvat, Malerei sind vom 27. August bis zum 01. September 2012 in der Galerie auf dem Unteren Hardthof in Gießen zu sehen.

Katja Ebert-Krüdener, Dots, Malerei

Die Künstlerin experimentiert mit Farbwerten. Der Malprozess ist ein meditativer Vorgang, bei dem die Farbtupfer (Dots) mit einem senkrecht gehaltenen Pinsel auf die waagerecht liegende Leinwand aufgebracht werden.  Sie untersucht Farbkorrespondenzen, indem sie mit Komplementär- und Simultankontrasten arbeitet. In den meist quadratischen Bildformaten ergibt sich ein tendenziell nicht-hierarchischer Bildaufbau. Die Bilder erscheinen rotationssymmetrisch, zuweilen fokussieren sie sich auf ein Zentrum.

Katja Ebert-Krüdener lebt und arbeitet in Heuchelheim bei Gießen.

Daniel Horvat, Malerei

Thema der Bilder Daniel Horvat´s ist die Malerei selbst. Ausgehend vom Material, der Farbe, dem Bildgrund, den Werkzeugen entwickeln sich die Arbeiten im Prozess. Der Zufall und das Experiment spielen eine Rolle, zufrieden ist der Künstler, wenn er selbst überrascht wird und staunen kann. Dabei folgen die Bilder weder einem gegenständlichen noch einem abstrakten Konzept, lassen Assoziationen in die eine wie die andere Richtung zu. Daniel Horvat vertritt eine eigenständige und zeitgemäße Position einer lebendigen, unverbrauchten Malerei.

Daniel Horvat lebt und arbeitet in Gießen.

Die Ausstellung wurde zum Kulturfest Hardthof/ARThof 6 am 25.08.2012 eröffnet und ist in der Woche vom 27. August bis zum 01. September geöffnet:

Mo, Mi und Fr: 10 – 12 Uhr

Di, Do:  18 – 20 Uhr

Sa:  15 – 17 Uhr

HARDTHOF /ARThof 6 – NACHSCHAU

Am 25. August 2012 fand auf dem Gelände und in den Räumlichkeiten des Unteren Hardthofs in Gießen die 6. Neuauflage des großen  Kunst- und Kulturfests Hardthof/ARThof statt.

Im Rahmen eines sommerlichen Open-Air-Festes wurde – an einem Tag – ein dichtes, anspruchsvolles und alle darstellenden und bildenden Künste umfassendes Programm regionaler und überregionaler Künstlerinnen und Künstler präsentiert.

Zugleich kam das leibliche Wohl, die Möglichkeit zum Feiern, Gespräch und Tanz mit ebenfalls qualitätsvollen und hochwertigen Angeboten nicht zu kurz.

Damit schloß auch der 6. Hardthof/ARThof an die Erfolge der Jahre 2001, 2003, 2005, 2007 und 2010 an.

Der Untere Hardthof bot mit seinen großzügigen Frei- und Gebäudeflächen, mit gepflasterten Hofanlagen, intimen Innenhöfen, romantischer Ruinen-architektur, mit strenger, am Bauhaus orientierter moderner Innenarchitektur wie postmodernem Material- und Stilmix eine Vielfalt von Eingriffs-möglichkeiten für Künstlerinnen und Künstler.

Zusätzlich zu den weiträumigen Eiskelleranlagen und der zentralen „Galerie“ standen im Innen- und Außenbereich wieder zahlreiche Ausstellungs- und Aktionsflächen zur Verfügung.

Herzlichen Dank an alle Künstler, Besucher, Bewohner und Freunde des Hardthof/ARThofs für ein gelungenes Fest.

Die Ausschreibung zum Hardthof/ ARThof 6 finden Sie hier.

HARDTHOF / ARTHOF 6

Der Untere Hardthof in Gießen öffnet am Samstag, 25. August  wieder die Pforten für sein traditionelles Kunst- und Kultur-Fest und wird für einen Tag zum  „ARThof”.

Kunst- und Kultur-Fest  mit feinem Programm 

Die Bagger waren bereits bestellt, als es 1976 einer Gruppe von Idealisten, Künstlern und Lebenskünstlern gelang, das Gelände des Unteren Hardthofs als „Ensemble“ unter Denkmalschutz stellen zu lassen. War es doch die Stadt Gießen selbst, die die damals ziemlich verrottete Anlage der ehemaligen Brauerei Textor der Zufahrt zum  neuen Ev. Krankhaus opfern wollte.

Neben den vielen Wirtschaftsgebäuden der Brauereianlage gehörten das oberhalb der Brauerei gelegene Ausflugslokal „Textors Terrasse“ und eine 1905 erbaute Radrennbahn sowie ein Sportplatz zu einer Art Vergnügungspark, der bis nach dem 1. Weltkrieg bei der Giessener Bevölkerung sehr beliebt war. Als die Brauerei in den 20er Jahre schließen musste, erwarb die Stadt das Gelände und stellte es der Universität als Versuchsgut zur Verfügung.

Leider war eines der schönsten Gebäude, die „Villa“ des Verwalters bereits abgerissen, die restlichen Gebäude konnten aber nun in Zusammenarbeit mit dem Magistrat restauriert werden. Eine kleine „Künstlerkolonie“ sollte entstehen.

Aus dem baufälligen Gebäudekomplex am Stadtrand wurde inzwischen ein fachgerecht renoviertes Schmuckstück alter Industriearchitektur. Idyllisch, die verschachtelten Zweckbauten, Scheunen, Ställe, Eiskeller mit ihren Jugendstil-Fassaden, dekorativen Rundbogenfenstern, die verwinkelten, pittoresken Innenhöfe. So präsentiert sich der Untere Hardthof heute als gelungenes – vor allem: sehenswertes – Beispiel für Arbeiten und Wohnen im Baudenkmal.

Die Bewohnerinnen und Bewohner organisierten sich im „Verein Unterer Hardthof“, mit dem Ziel „der Förderung von Kunst und Kultur sowie des Denkmalschutzes“, und dieses Ziel wird bis heute verfolgt. Mit seiner Galerie und dem längst zur Institution gewordenen Hardthoffest hat sich der Untere Hardthof einen festen Platz im Giessener Kulturleben gesichert.

 Nun steht am Samstag, 25. August eine Neuauflage diese Kunst- und Kulturfests vor der Tür: Als 6. Auflage von „Hardthof/ARThof“ wird ein eintägiges „Stelldichein der Künste“ präsentiert. Ein insgesamt 15 Stationen umfassender „Parcours“ aus Ausstellungen, Installationen, Videoarbeiten, Performances sowie neuer Musik wartet auf ein kunstinteressiertes Publikum. Als Ausstellungsräume sind auch die beeindruckenden Gewölbekeller der ehemaligen Brauerei einbezogen.

Ab 21:30 Uhr spielt die Band: „Liquid Move“. Dann wird in und vor der Galerie gefeiert.

 Was erwartet die Besucherinnen und Besucher im Einzelnen? Hier ein kurzer Überblick über das Programm und die 15 Stationen:

  1. Ria Gerth, Die Grotte des Posillipo, Installation

Die Crypta Neapolitana ist ein im 1. Jahrhundert vor Christi von den Römern angelegter Straßentunnel durch den Bergzug Posillipo in Neapel. Johann Wolfgang von Goethe durchquerte am 27.2.1787 die „Crypta Napolitana“ und beschreibt dies in seinem Werk „italienische Reise“. Die Reisebeschreibung war eine Inspiration für unzählige  Künstler dieser Zeit, so auch für Friedrich Nerly, der das Titel gebende Gemälde 1847 schuf . Besonders anregend ist das geheimnisvolle Spiel von Licht und Schatten in einem Raum mit alltäglichen und Zeit übergreifenden Szenen. Menschen und Tiere passieren die Grotte, bewegen sich auf ein Licht zu und aus ihm heraus. Im Vordergrund stehen Menschen an einem Eingang zur Kirche. Ein Schäfer treibt seine Schafherde durch die Grotte. Ein Heuwagen ist zu sehen, der von Ochsen gezogen wird. Eine Frau fasst ein Kind an der Hand und geht mit ihm auf das Licht zu. Ein imaginäres Licht am Ende der Grotte legt religiöse Symbolik und Vergleiche zu Jenseitsdarstellungen nahe. In einem der in Höhe und Breite dem Original vergleichbaren Brauereikeller installiert Ria Gerth eine Neuinterpretation von Nerly´s Werk.

Ria Gerth ist Mitglied im Oberhessischen Künstlerbund, sie lebt und arbeitet in Köln.

  1. Wolfgang Lakaszus, SchallPlatte, interaktive Klanginstallation

Eine unscheinbare Plattform, vielleicht eine kleine Bühne, ist der Kern von Lakaszus´ interaktiver Klanginstallation, ein paar Lautsprecher und Kabel… Zum Leben erweckt wird die Installation durch den Besucher, der die Plattform betritt. Sie ist gespickt mit elektronischen Sensoren, die die Bewegungen der “Spieler” aufnehmen und in Klänge umsetzen. „Im Fokus der Projekte des bureau of innovation steht (…) das nonkonformistische Spiel mit Alltagssituationen, Alltagsgegenständen, Technologien und gesellschaftlichen Generalisierungen.“ beschreibt Wolfgang Lakaszus seine eigene Arbeit. Ob die Installation im Freien oder in den Brauereikellern stattfindet, vielleicht auch noch angereichert durch eine Videoprojektion ist vom Wetter abhängig und wird kurzfristig entschieden werden. Wolfgang Lakaszus lebt und arbeitet in Bochum und Berlin.

  1. Adriana Kocijan, circa95, (Tanz)performance

Zum wiederholten Male ist Adriana Kocijan auf dem Unteren Hardthof zu Gast. Den Gießener Freunden des Tanztheaters hat sie sich als herausragende Tänzerin unter Thomas Langkau (1993 – 1996) und als Choreographin mit „Es bleibt vielleicht am Abhang die Nacht“, 1998 im TIL tief ins Gedächtnis eingegraben. Mit ihrem 1998 in Essen gegründeten Ensemble „cantadoras“ ist sie bundesweit aktiv.

Sie wird Wolfgang Lakaszus´ interaktive Plattform ab 21 Uhr als Instrument in einer improvisierten Musik-Tanz-Performance bespielen.

  1. Dieter Hoffmeister, merrygoround, Videoinstallation

Auf dem Frankfurter Mainuferfest hat Dieter Hoffmeister in den vergangenen Jahren Beobachtungen mit der Videokamera festgehalten, die nun in den Brauereikellern des Unteren Hardthofs eine Choreographie erhalten. Das lärmende Kirmestreiben wird reduziert auf ein Lichterfest, das den Zuschauer in einen Schwebezustand zu versetzen vermag.

Dieter Hoffmeister ist Mitglied im Oberhessischen Künstlerbund, er lebt und arbeitet auf dem Unteren Hardthof.

  1. Bettina Obrecht, Werner Cee, Salton Mobile, Installation

Mitten auf dem Hardthof-Gelände parkt ein roter Campingbus; davor sind ein Grill

und Campingmöbel aufgebaut, die Schiebetür steht offen…

Es handelt sich um ein von Werner Cee und Bettina Obrecht inszeniertes Stück:

„Salton Sea“ – eine Installation, so mobil wie die Wohn- und Lebensräume der

Menschen dieser Region. Der Salton Sea, nahe Los Angeles, ist infolge eines Dammbruchs nur versehentlich entstanden. Kurzzeitig als kalifornische Riviera hoch gepriesen und gehandelt, ist er heute Sinnbild für eine von Menschen verursachte ökologische Katastrophe. Yachtclubs sind verwaist, Bungalows in Salz und Schlick versunken, den See säumt ein Band aus unzähligen Fischkadavern, übler Gestank liegt über der Landschaft. Der Bus wird zum Ausstellungs- und Präsentationsraum. Die Scheiben sind von innen mit Fotos beklebt, Abzüge von Fotografien sind auch im Innenraum zu sehen. Im Fahrzeuginneren sind sowohl eine Ton- wie auch eine Projektionsanlage aufgebaut, davor einige Sitzplätze. Vertonte Videos und Fotografien werden auf einem großen Bildschirm gezeigt; über die Lautsprecher erklingen komponierte Originaltöne vom Salton Sea. Auch literarische Texte, die die Stimmungen am Salton Sea thematisieren, sind zu hören und zu lesen.

Bettina Obrecht ist Schriftstellerin, Werner Cee Künstler, Komponist und Hörfunkproduzent. Sie leben in Allendorf/ Lumbda.

  1. Reshak Shaker, Laberartorium indoor 12, Installation

Die Werkstatt Ogonjok präsentiert in einer Rauminstallation Arbeiten des Künstlers Reshak Shaker. „Was vermag der menschliche Geist? Wozu dient das Bewusstsein? Wie funktioniert das selbstreflektierende Gehirn? Kann man dem Denken bei der Arbeit zuschauen? Sind Wissen und Meditieren Gegensätze? Wird Poesie uns Heimat sein?“, sind die Fragen um die sein Werk kreisen. Ein vergnüglicher Rundgang durch ein literarisch-ästhetisches Labyrinth aus Dada, Surrealismus, konkreter Poesie und moderner Hirnforschung.

  1. Annett Lang, Corbinian Deller, Hanke Wilsmann, ANIMOT, eine wissenschaftliche Choreographie und Theaterperformance

Die in der philosophischen Tradition verankerte Dichotomie von Mensch und Tier stellt dem vernunftbegabten Subjekt ein – den Logos entbehrendes – homogenes „Tier“ gegenüber. Sie begründet damit eine logozentrische Herrschaftsposition des Menschen, dessen potenzielle Animalität ausgelöscht wird. Derrida unterläuft diese gewaltsamen Zugriffe von Sprache und Denken, indem er ein neues Wort einführt: ANIMOT. Es zeigt, dass die Rede von „dem Tier“ nur ein Wort (mot) ist, und gibt homophon zu hören, dass es „Tiere“ (animaux) nur im Plural gibt (Derrida, Jacques. L’animal que donc je suis. Editions Galilée, 2006).

Die Struktur der Performance im Offenen Kanal bemächtigt sich der Struktur des Experiments. Ziel ist jedoch nicht das ,Quod erat demonstrandum’, sondern der Versuch, durch Kombination verschiedener Ausdrucksmittel, Annahmen zu befragen. So führt das Experiment weniger zum Beweis einer These, sondern vielmehr zu neuen ‚blinden Flecken’, die als Ausgangspunkte für weitere Versuchsanordnungen dienen können. – „Dazwischen geben wir unserer Sehnsucht nach „Ungebrochenheit“ Raum, die wir – als Bild oder Behauptung – in unserem kollektiven kulturellen Gedächtnis vermuten. Ob das Laboratorium – das souverän erstellte „Holodeck“ – die beherrschbare Zone ist, oder ob es sich mit seinem eigenen Willen Bahn bricht, werden wir sehen“.

Annett Lang und Hanke Wilsmann studieren angewandte Theaterwissenschaften in Gießen, Corbinian Deller ist Schauspieler am Stadttheater Gießen.

  1. Hanke Wilsmann, Jost von Harleßem, Clarenville, Figurentheater

Auf einer Sonderfrequenz wird ein unbekannter Kanal gefunden. Er überträgt die Nachrichten eines andersartigen Ortes: Clarenville.
Clarenville ist irgendwann verloren gegangen und folgt eigenen Regeln: Ein Frettchen wird plötzlich zu einer Waldlichtung. Ein Astronaut wird von einem Schwamm erschlagen und Uhren werden eigensinnig. Ausgestattet mit einer Überwachungskamera, Fernsehmonitoren und einem alten Plattenspieler, wird aus einem Sammelsurium an Fundstücken eine dichte Bilderwelt. Die Erzählungen sind die fantastischen Dokumente einer verloren gegangenen Welt.

Hanke Wilsmann und Jost von Harleßem studieren angewandte Theaterwissenschaften in Gießen.

  1. Katja Ebert-Krüdener, Dots, Malerei

Die Künstlerin experimentiert mit Farbwerten. Sie untersucht Farbkorrespondenzen, indem sie mit Komplementär- und Simultankontrasten arbeitet. In den meist quadratischen Bildformaten ergibt sich ein tendenziell nicht-hierarchischer Bildaufbau. Die Bilder erscheinen rotationssymmetrisch, zuweilen fokussieren sie sich auf ein Zentrum. Der Malprozess ist ein meditativer Vorgang, bei dem die Farbtupfer (Dots) mit einem senkrecht gehaltenen Pinsel auf die waagerecht liegende Leinwand aufgebracht werden.

Katja Ebert-Krüdener ist Diplom-Physikerin und Malerin. Sie lebt und arbeitet in Heuchelheim bei Gießen.

  1. Daniel Horvat, Malerei

Thema der Bilder Daniel Horvat´s ist die Malerei selbst. Ausgehend vom Material, der Farbe, dem Bildgrund, den Werkzeugen entwickeln sich die Arbeiten im Prozess. Der Zufall und das Experiment spielen eine Rolle, zufrieden ist der Künstler, wenn er selbst überrascht wird und staunen kann. Dabei folgen die Bilder weder einem gegenständlichen noch einem abstrakten Konzept, lassen Assoziationen in die eine wie die andere Richtung zu. Daniel Horvat vertritt eine eigenständige und zeitgemäße Position einer lebendigen, unverbrauchten Malerei.

Daniel Horvat lebt und arbeitet in Gießen.

  1. Wennemar Rustige, Die Erde tönt, Installation

Die Arbeit „Die Erde tönt“ nimmt kritisch Stellung zum zerstörerischen Umgang mit der Natur, sowohl global als auch unmittelbar in Gießen im Zusammenhang mit den Vorbereitungen zur Landesgartenschau 2014.

Der durchgängig zu hörende ureigene Ton der Erde, G, wird immer wieder gestört durch das zerstörerische Geräusch der Motorsägen. Die Bandagen über den Brettern verweisen auf die nach den Baumfällungen übriggebliebenen Markierungen, welche von kritischen Bürgerinnen und Bürgern um die ca. 170 zu fällenden Bäume in der Wieseckaue und die etwa 80 in der Ringallee gebunden wurden. Durch diese Bandagen wollten sie der Bevölkerung  die Vorhaben der „grünen“ Bürgermeisterin vor Augen führen. Trotz vehementer Proteste aus der Bevölkerung und Tausender von Unterschriften wurden die Bäume in der Wieseckaue  mittlerweile gefällt. Argumente wie, es handele sich um „Krüppel“, „Sichtachsen“ würden durch die Bäume gestört oder die Bäume stünden „auf Kriegsschutt“ und seien „krank“, stießen auf wenig Verständnis bei vielen Bürgerinnen und Bürgern oder wurden gar von diesen als falsch widerlegt. Auch bezüglich der Bäume in der Ringallee besteht wenig Hoffnung, dass die Bürgermeisterin ein Einsehen haben wird.

Wennemar Rustige ist Mitglied im Oberhessischen Künstlerbund. Er lebt und arbeitet in Gießen.

  1. Jutta Sippel-Süße, Malerei

In ihrer Werkreihe „Der diagnostische Blick“ zeigt die Künstlerin Portraits von erkrankten Menschen. Sie lebt und arbeitet als Psychoanalytikerin in Pohlheim.

  1. Maggie Thieme, Form follows Function: Die Spätblühende, Installation

In manchen Jahren, wenn die meisten Hoffnung schon aufgegeben hatten, beginnt sie zu erblühen, spähend, sprühend, weißglühend überrascht sie mit ihrer wilden Seele den Betrachter. Für einen Tag setzt die Spätblühende den Himmelsstürmern ein Zeichen. Maggie Thieme lebt und arbeitet in Gießen.

  1. Volker Thomas, Malerei

Die Exponate datieren von 1995 bis 2012. Der Künstler sieht sich keiner Theorie oder Kunstrichtung verpflichtet, er malt spontan und undogmatisch aus dem Affekt heraus mit Acryfarbe auf Leinwand und produziert so seelische Landschaften, die mit der jeweiligen Erlebniswelt des Betrachters korrespondieren und kritisch hinterfragt werden können. Volker Thomas, im Nebenberuf forensischer Gutachter und Psychotherapeut, lebt und arbeitet auf dem Unteren Hardthof, wo er – Künstler der ersten Stunde und Gründungsmitglied des Vereins – nach langer Ausstellungsabstinenz nun zum ersten Mal wieder ausstellt.

  1. Die Gruppe „Jazzlag 251“ spielt auf der Terrasse vor dem Ausstellungsraum JAZZ-Standards: bekannte Geschichten, neu erzählt von 5 Gießener Musikern.

  1. Georg Wolf, Kontrabass, Paul Hubweber, Posaune, frei improvisierte Musik

„Double Bass“ hieß eins ihrer Projekte und beschreibt schön die Nähe der Klangbilder ihrer Instrumente: „Diese Klänge sind so verwoben, dass ich meine beim Hören geschlossenen Augen öffnen muss, um zu erfahren was von welchem Instrument kommt bei dieser fein ziselierten Musik”, bemerkt eine Konzertbesucherin. Der bekannte englische Schlagzeuger Paul Lytton beschreibt das so: „rattling-springy-gruff-angular-GUTteral-tongue in cheek-splutters-avuncular-sporadic-off the low end-obviously creaky, by its own nature-whirring and buzzing… Dem ist nichts hinzuzufügen!

Paul Hubweber lebt in Aachen, Georg Wolf in Gießen

  1. „It’s time to groove with Liquid Move!“

Liquid Move:  Wer auf Musik von Aretha Franklin, James Brown, Chic, Rose Royce usw… steht, ist bei Liquid Move genau richtig. Hier wird nicht nur einfach gecovert, sondern erstklassig interpretiert. Mit großer Leidenschaft und lebendigen Improvisationen hauchen 11 Gießener Musiker den Stücken der Altmeister neues, pulsierendes Leben ein. Hier wird dem Zuschauer eine Show geboten, die ihresgleichen sucht. Bezeichnend für die elfköpfige Formation aus dem Giessener Raum sind neben dem klassischen Bläsersatz vor allem die drei Frontfrauen, die mit ihren eindrucksvollen Stimmen und dem Satzgesang absolut überzeugen.

Ab 21:30 Uhr in und vor der Galerie des Unteren Hardthofs.

Ausstellungen und Videoarbeiten sind durchgehend von 17 – 22:00  Uhr zu sehen, die anderen Arbeiten (Performances, Theater, Musik) sind – um Überschneidungen zu vermeiden – gestaffelt. Ein genaues Programm gibt es am Eingang.

Dass es bei schönem Wetter im historischen Kastanienhof jede Menge Sitzgelegenheiten im Freien gibt, ist für das Hardthof/ARThof-Fest genauso selbstverständlich wie eine feine Gastronomie für alle großen und kleinen Gäste.

ROMANTIK, REALISMUS, REVOLUTION. Das 19. Jahrhundert.

Am Tag des offenen Denkmals, am 11.9.11 ist der Untere Hardthof für Besucherinnen und Besuche von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Führungen über das Gelände des Hardthofs finden um 11.00, 12.00 und 15.00 Uhr statt.

 In der Galerie des Unteren Hardthofs wird eine Ausstellung historischer Relikte und Dokumente des Hardthofs gezeigt, und in und vor der Galerie gibt es Kaffee und Kuchen, wie schon damals serviert.

 

Der Verein Unterer Hardthof in Gießen lädt ein

Die industriellen Entwicklungen des 19. Jahrhunderts und die dadurch entstehenden neuen Ansprüche an Lebensqualität brachten neue Bauaufgaben hervor – u.a. Bahnhöfe, Fabrikgebäude, Wassertürme und auch Brauereien. Man bemühte sich, alle noch so profanen Gebäude nicht nur nach der jeweiligen Funktion, sondern auch nach ästhetischen Gesichtspunkten auszuschmücken und bediente sich dazu historischer Vorbilder von Burgen und Schlössern, Kirchen und Kathedralen. Im gründerzeitlichen Historismus verwendete man alle historischen Stile gleichzeitig, oft sogar vermischt an einem Bau.

Der Untere Hardthof lag im 19. Jahrhundert weit außerhalb der Stadt jenseits der Lahn am Rande der Hardt. Eine schon Mitte des Jahrhunderts hier bestehende Brauerei wurde in der Gründerzeit durch eine heute noch bestehende Malzdarre mit Speicher (1868) sowie kleine Verwaltungsgebäude (1873,1878) ergänzt. In der Folge erweiterte der Besitzer Friedrich Textor den Brauereikomplex und erbaute auch das oberhalb der Brauerei gelegene Ausflugslokal „Textors Terrasse“ (heute Jugendherberge). Nach dem Tode Textors (1892) erwarb Georg Bichler die Textor-Brauerei und erweiterte und modernisierte sie in den Jahren 1898 bis 1905 erheblich. Neben der ehemaligen Malzdarre sind es vor allem die um 1905 erbauten Gebäudeteile, die heute das Gesamtbild prägen. Besonders das turmartige Sudhaus und die ähnlich gestalteten Aufbauten auf dem mächtigen Eiskeller wirken durch ihre zweifarbigen, stark gegliederten Klinkerfassaden auch auf große Entfernung. Hauptcharakteristikum sind die dekorativen, rot abgesetzten Klinkermotive, die romantische Burgassoziationen hervorrufen, aber auch schon den Jugendstil ahnen lassen. Nachdem Georg Bichler auch den Oberen Hardthof erworben hatte, ließ er dort kurz nach der Jahrhundertwende den markanten Wasserturm im gleichen historistischen Stil erbauen.

 

Von 1890 bis 1924 war die Brauerei Textor mit ihren großzügigen Anlagen ein Freizeittreffpunkt für Gießener Bürger und Besucher aus der Umgebung. Allerdings überstand die Brauerei die Krisenjahre nach dem 1. Weltkrieg nicht: 1924 übernahm die Stadt Gießen die Anlage und verpachtete sie an die Universität als Versuchsgut. Im folgenden halben Jahrhundert verfielen die nur teilgenutzten Gebäude allmählich. Anfang der 70er Jahre wurde ein Abbruch der ehemaligen Brauereigebäude erwogen. Doch schaffte es die 1976 entstandene „Interessengemeinschaft Unterer Hardthof“, ein Zusammenschluss von Künstlern und Kulturschaffenden, Stück für Stück des Komplexes in Erbpacht zu übernehmen und für neue Nutzungen auszubauen. Trotz großer Eingriffe (Abriss der vorderen, den Hof abschließenden Gebäudezeile für den „Gießener Ring“) hat der Untere Hardthof seine Atmosphäre insgesamt bewahren können. Er wurde wegen seiner wirtschafts- und technikgeschichtlichen Bedeutung und seinem hohen Erinnerungswert für die Gießener Bevölkerung als Kulturdenkmal eingestuft. Dies umfasst sämtliche noch erhaltenen Gebäude der historischen Brauerei, die unterirdischen Anlagen, die Kopfsteinpflasterung und den alten Baumbestand.

 

Der Untere Hardthof ist ein Beispiel dafür, wie sich in altem Gemäuer modernes Wohnen und Arbeiten verwirklichen lässt. Die Eigentümer haben die Denkmalpflege als Herausforderung begriffen, die sich in dieser Form nur im spannungsreichen Umfeld einer alten Industrieanlage entwickeln konnte – zwischen Romantik und Realismus auch im 21. Jahrhundert.

DER TAG DER OFFENEN PFORTE

Mit dem Ziel, die Augen dafür zu öffnen, wo sich in unserer Stadt grüne Überraschungen auftun und erstaunliche, naturnah kultivierte Schönheiten verbergen, öffnet der Untere Hardthof am 19.06.2011 seine Pforten.

Der Untere Hardthof öffnet am 19.06.2011 zwischen 14.00 Uhr und 16.00 Uhr für interessierte Besucher erneut seine Pforten.

 

An diesem Tage können Besucher einen Blick auf grüne Refugien an einem historischen Ort werfen, welcher als belebtes und außergewöhnliches Industriedenkmal erhalten ist.

Insbesondere wird anhand der örtlichen Gegebenheiten Mut gemacht, auch mit schwierigen Bodenverhältnissen blühende Wohnstätten entstehen zu lassen.

Vorgesehen ist  die Besichtigung von vielfältigsten Gestaltungen der Außenanlagen und Innenhöfe, sowie eine spannende und fachkundige Führung um 14 Uhr.

In der Galerie sind Dieter Hoffmeisters großformatigen Pflanzen- und Blütenfotografien zu sehen, die er dankenswerter Weise für diesen Zweck arrangieren wird.  

Die Anwohner werde ihren Gästen wieder Kaffee und Kuchen offerieren.

Helga Kämpf-Jansen

Wir trauern um Helga Kämpf-Jansen, eine der “Ureinwohnerinnen” des Unteren Hardthofs und eine sehr bekannte Kunstpädagogin, die am 19. Februar nach schwerer Krankheit im Alter von 71 Jahren in Kassel verstorben ist. Die zahlreichen schönen Momente mit ihr werden uns in dauerhafter Erinnerung bleiben.

Text und Bild: Kunst + Unterricht; Heft 351/ 2011

 

Von Adelheid Sievert

Viel zu früh ist Prof. Dr. Helga Kämpf-Jansen am 19. Februar 2011 nach langer schwerer Krankheit in ihrer Heimatstadt Kassel in ihrem Haus gestorben. 

Erst 2008 war sie in dieses von ihr liebevoll ausgestaltete Refugium gezogen, ihrem Paradies, wie sie sagte.

In Kassel wurde sie am 4. Oktober 1939 geboren. In dieser im Krieg fast völlig zerstörten Stadt ist sie in einer Arbeitersiedlung aufgewachsen. Der Weg ins Realgymnasium für Mädchen war weit und wurde von ihr meist mit dem Fahrrad zurückgelegt. Sie eroberte sich damit aktiv den in ihrer Ausgangssituation und zu dieser Zeit für Mädchen durchaus nicht selbst- verständlichen Zugang zur „höheren“ Bildung. In einem der ersten Kunstleistungskurse in Hessen hatte sie Glück mit ihrem Kunstunterricht. Zugleich entdeckte sie die Kunst in Kassel und ging über Monate täglich nach der Schule ins Museum. Von da an war Kunsterfahrung als besonderer Zugang zur Welt für sie immer präsent. In einem biografischen Interview begründete sie später ihre Entscheidung gegen das Studium an der Kunstakademie und für die Ausbildung als Volksschullehrerin mit dem Wunsch, in der Grundschule Kinder in allen ihren Lernbereichen und nicht ein gymnasiales Fach unterrichten zu wollen.* Zum Studium ging sie daher an das Pädagogische Institut in Weilburg. Direkt nach dem 1. Staatsexamen wurde sie als Junglehrerin in Frankfurt / M. eingestellt – und hatte sich damit schon mit Anfang Zwanzig die finanzielle Unabhängigkeit gesichert. Fünf Jahre arbeitete sie als Lehrerin in der Großstadt Frankfurt in verschiedenen Schulen. Im linken intellektuellen Umfeld der kritischen Theorie hat sie 1966 mit ihrem damaligen Ehemann Günter Kämpf den Anabas-Verlag gegründet. 

1968 wurde sie mit 29 Jahren als pädagogische Mitarbeiterin an das neue Institut für Kunsterziehung der Justus Liebig-Universität in Gießen geholt, wo sie die Position der Visuellen Kommunikation tatkräftig mitgestaltete. Sechs Jahre war sie Mitglied der Arbeitsgruppe zur Entwicklung der Hessischen Rahmenrichtlinien „Kunst“. Aus dieser Gruppe heraus wurde sie 1976 zusammen mit Johannes Eucker und Hermann Hinkel auf Einladung von Gunter Otto Mitherausgeberin der Zeitschrift Kunst+Unterricht und blieb dies bis 1990 – als einzige Frau in der Runde. In dieser Zeit verantwortete sie viele Hefte, die es ohne sie wohl kaum gegeben hätte: über Objekte und Dinge, Kitsch und Triviales, Werbung, Körper, Metamorphosen, Geschlechterrollen und ästhetische Leitbilder, Kolleginnen, Mädchenbilder, Bilder der Nacht, Gewaltdarstellungen, … Diese Themen wurden von ihr im kritischen Diskurs, aber auch in Unterrichts- versuchen und konkreten Unterrichtsmaterialen erarbeitet und vorgestellt – als Aufforderung zum eigenen Nachdenken und Handeln. Dabei suchte sie hinter den banalen alltäglichen Dingen ebenso wie in der Kunst nach den „großen Gefühlen“; Liebe und Tod, Thanatos und Eros begleiteten sie, seitdem sie erwachsen wurde.* Als leidenschaftliche Hochschullehrerin, Künstlerin und Wissenschaftlerin, entwarf sie Projekte und Anstöße zur Veränderung der von ihr engagiert und kritisch zugleich erlebten gesellschaftlichen Realität des Faches Kunst. Die größte persönliche Herausforderung stellte hier das Projekt „Kunst im Strafvollzug“ dar, dessen Leitung sie von Hermann K. Ehmer 1983 übernahm und weiterführte bis zu ihrer eigenen Berufung 1992 als Professorin für Kunst und ihre Didaktik an die Universität Paderborn. Parallel zu diesen verschiedenen Aufgaben hatte sie 1987 bei Gunter Otto ihre Promotion abgeschlossen.

Helga Kämpf-Jansen hat erst spät – im Jahr 2000/2001 – in Paderborn ihr kunst-pädagogisches Lebenswerk mit dem Begriff „Ästhetische Forschung“* zu einer eigenständigen Fachkonzeption profiliert und prägt damit bis heute durchaus kontrovers aber nachhaltig die kunstpädagogische Diskussion. Als sie ein Jahr nach der Veröffentlichung zum ersten Mal am Krebs erkrankte, nahm sie auch diese Herausforderung auf und erkämpfte sich weitere Jahre der leidenschaftlichen Vermittlung ihrer Ideen und der künstlerischen Arbeit. Denn für Helga Kämpf-Jansen war Ästhetische Forschung ein Lebenselixir, eine lebenslange persönliche Grundhaltung, die sie immer wieder aufs Neue in wissenschaftlichen, künstlerischen und alltäglichen Feldern verfolgte und niemals wirklich beendete. Auch mit ihren letzten Besuchern sprach sie noch über neue Pläne und Ausstellungsprojekte.

Alle, die sie persönlich kannten, werden diese starke Frau, Kollegin, Lehrerin, Hochschullehrerin, Freundin so in Erinnerung behalten wie sie uns dieses Foto kurz vor ihrer erneuten Erkrankung im Sommer 2009 noch einmal zeigt: Selbstbewusst und herausfordernd lächelnd schaut sie uns von oben sehr zugewandt direkt an – „dann macht mal weiter …“

Literatur

* Blohm, Manfred / Heil, Christine / Peters, Maria / Sabisch, Andrea/Seydel, Fritz (Hg.): Über Ästhetische Forschung. Lektüre zu Texten von Helga Kämpf-Jansen. München 2006.

* Kämpf-Jansen, Helga: Ästhetische Forschung. Wege durch Alltag, Kunst und Wissenschaft. Zu einem innovativen Konzept ästhetischer Bildung. Köln 2000.