In Memoriam Helga Kämpf-Jansen 4.10.1939 bis 18.2.2011

In Memoriam Helga Kämpf-Jansen 4.10.1939 bis 18.2.2011

Am 4. Oktober  hätte Helga ihren 80. Geburtstag feiern können, wenn ihr langjähriger Kampf mit der Krebserkrankung nicht vor acht Jahren zu Ende gegangen wäre.

Als Mitbegründerin des Hardthofvereins hatte sie nach dem Ausbau ihrer Wohnung Nr. 25 seit 1978 hier auf dem Unteren Hardthof gelebt und ihn in vielfältiger Weise mitgestaltet. Auch nach ihrer Berufung als Professorin für Kunst und ihre Didaktik an die Universität Paderborn 1979 pendelte sie noch einige Jahre nach Gießen, bis sie schließlich schweren Herzens umzog  und ihre Wohnung an Monika Neumeier vermietete mit dem „Auftrag“, sich für Kunst und Kultur auf dem Unteren Hardthof zu engagieren.

Wenn ich mich richtig erinnere, dann bekam Helga 1979 zu ihrem 40. Geburtstag   einen kleinen Nussbaum geschenkt, der dann gemeinsam auf dem Hofgelände gepflanzt wurde. Inzwischen ist er zu einem sehr stattlichen großen Baum geworden und wirft jedes Jahr ab Oktober seiner Nüsse auf den Hof. Schade, dass ich ihr nun keine Nüsse mehr von ihrem Baum mitbringen kann…

Adelheid Sievert


Nachruf für Helga Kämpf-Jansen von Adelheid Sievert

Am 18. Februar 2011 ist Helga Kämpf-Jansen in ihrer Heimatstadt Kassel in ihrem Haus gestorben, wohin sie erst 2008 gezogen war.

Hier in Kassel war sie am 4. Oktober 1939 in einem Industrievorort geboren worden. In dieser Stadt, die im Krieg fast völlig zerstört wurde, ist sie in einer Arbeitersiedlung aufgewachsen, der Weg ins Gymnasium war weit und von ihr trotzig erkämpft – so mein Eindruck. Obgleich sie sich als Wissenschaftlerin später so intensiv mit Kindheit und den Dingen der Kindheit auseinandergesetzt hat, hat sie über diese eigene Kindheit wenig gesprochen.

Zur Ausbildung als Volksschullehrerin ging sie an das Pädagogische Institut in Weilburg, das später in die Universität Gießen übernommen wurde. Wie damals üblich, wurde sie direkt nach dem 1. Staatsexamen als Junglehrerin in Frankfurt eingestellt. Fünf Jahre arbeitete sie hier in verschiedenen Schulen als Lehrerin, davon zwei Jahre schon selbst als Ausbildungsleiterin für Junglehrer. 1968 wurde sie mit 29 Jahren als pädagogische Mitarbeiterin an das neu gegründete Institut für Kunsterziehung der Justus Liebig-Universität in Gießen geholt, wo sie bald die Entwicklung zur Position der Visuellen Kommunikation tatkräftig mitgestaltete, nachdem sie mit ihrem damaligen Ehemann Günter Kämpf den Anabas-Verlag für Kunst und Kulturwissenschaften gegründet hatte. Von 1972 bis 1978 war sie Mitglied der Arbeitsgruppe zur Entwicklung der Hessischen Rahmenrichtlinien „Kunst“. Aus dieser Gruppe heraus wurde sie zusammen mit Johannes Eucker und Hermann Hinkel auf Einladung von Gunter Otto Mitherausgeberin der Zeitschrift Kunst+Unterricht und blieb dies über 14 Jahre bis 1990 als einzige Frau in der Runde.

Das Foto, das ihre Freundin und Fachkollegin, die Wiener Kunsthistorikerin Daniela Hammer-Tugendhat im Sommer 2009 von ihr gemacht hat, zeigt sie noch einmal so, wie wir sie alle in Erinnerung haben, die sie persönlich kannten: Selbstbewußt und herausfordernd lächelnd und zugleich verschmitzt schaut sie uns von oben herab und doch sehr zugewandt direkt an – eine Einladung zur Begegnung und zum Gespräch.

Der Untere Hardthof e.V. in Gießen lädt ein zum „Tag des offenen Denkmals – Modern (e) : Umbrüche in Kunst und Architektur“

Sonntag, den 8. September 2019 von 14.00 bis 17.00 Uhr mit Führung um 14:30 Uhr

Passend zum Jubiläum 100 Jahre Bauhaus wurde das Thema „Modern(e) : Umbrüche in Kunst und Architektur“ von der Deutsche Stiftung Denkmalschutz als Thema für den Tag des offenen Denkmals 2019 gewählt. Es scheint wie gemacht für diese ehemalige Brauereianlage mit ihren repräsentativen Klinkerfassaden, die Funktion und Technik der modernen industriellen Brauerei mit Bauformen aus dem Burgenbau verkleidete. Direkt am Gießener Ring gelegen verkörpert der Untere Hardthof den romantischen Historismus des 19. Jahrhunderts, gegen den Reformbestrebungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts kühne neue Ideen zur Gestaltung der Moderne entwickelten. Insbesondere das Bauhaus (1919 bis 1933) wirkte in wenigen Jahren stilbildend und zukunftsweisend für Kunst, Architektur und Design im 20. Jahrhundert.

Als die Brauerei am Ende des 1. Weltkriegs aufgegeben und verkauft wurde, übernahm die Stadt Gießen das gesamte Gelände auch des Oberen Hardthofs und stellte es der Universität für das Institut für Tierzucht zur Verfügung, die allerdings kaum Mittel für den Erhalt der Gebäude einsetzte. Nach dem Bau des Giessener Rings quer durch das Areal des Unteren Hardthofs sollten hier in den 70er Jahren im Zusammenhang mit der Planung für das Evangelische Krankenhaus auch die verbliebenen Gebäude abgerissen werden. Da aber hier mehrere Ateliers und Werkstätten schon von Kunstschaffenden genutzt wurden, konnten weitere Abrisspläne von der 1976 gegründeten „Interessengemeinschaft Unterer Hardthof“ erfolgreich verhindert werden. Ziel des 1977 gegründeten Vereins „Unterer Hardthof e.V. ist die Förderung von Kunst und Kultur sowie des Denkmalschutzes. Nach Einigung mit der Stadt Giessen als der Eigentümerin des Geländes und nach Aufnahme der Gesamtanlage als schutzwürdig ins hessische Denkmalbuch, wurden einzelne Gebäudeflächen an Interessenten in Erbpacht vergeben und von diesen zu Wohn- und Arbeitszwecken ausgebaut. Angestrebt war anfangs die Errichtung einer „Künstlerkolonie“, die durchgängige Vergabe an Künstlerinnen und Künstler scheiterte jedoch bald mangels finanzkräftiger Interessenten. Inzwischen trägt der Hardthofverein mit der Durchführung von Ausstellungen, Konzerten, Diskussionsveranstaltungen, Workshops und Seminaren in der eigenen „Galerie“ am Kastanienhof sowie mit dem regelmäßigen Kunstfest „Hardthof/Arthof“ zur Bereicherung des kulturellen Angebotes in der Region bei.

Am Sonntag, den 8. September 2019 lädt der Untere Hardthof e.V. von 14.00 bis 17.00 Uhr zum Tag des offenen Denkmals ein. Das Bauhaus- Jubiläum bildet den Schwerpunkt der Führung, die um 14.30 vor der Galerie im Kastanienhof beginnt.

Diese heutige Galerie im ehemaligen Maschinenhaus der Brauerei wurde zu Beginn der 80er Jahre von Mitgliedern des Vereins nach Prinzipien des Bauhauses gemeinschaftlich geplant und ausgebaut. Am Samstag, den 7. September um 18 Uhr wird in dieser Galerie die Sommerausstellung „Das kleine Format III“ des Oberhessischen Künstlerbunds OKB eröffnet, zu der natürlich alle schon herzlich eingeladen sind!

Nach einer kurzen Einführung zur Geschichte des Hardthofs führt der Weg zu mehreren Gebäuden, für deren Gestaltung und Einrichtung Bauhausideen bestimmend waren und bis heute sind. Anschließend laden wir vor der Galerie – bei schlechtem Wetter in der Ausstellung – zu Gesprächen und einer Stärkung mit Kaffee und Kuchen ein.

Das kleine Format.

Zum 3. Mal zeigt der OKB im Unteren Hardthof seine Sommerausstellung: „Das kleine Format“.
 
Zu der Eröffnung am 7. September um 18:00 Uhr laden wir Sie herzlich ein.
 
Wir hoffen auf schönes Wetter und freuen uns auf gute Gespräche bei einem kleinen Buffet und einem Glas Wein.
 
Nähere Informationen entnehmen Sie bitte der Einladung.
 
Am Folgetag, dem 8. September beteiligt sich der Untere Hardthof am Tag des offenen Denkmals, nähere Informationen finden Sie hier bzw. sind den Tageszeitungen zu entnehmen.

Salon der Keramik ’18

Liebe FreundInnen, sehr geehrte Damen und Herren,
anknüpfend an die Sommerakademien von Harald Jegodzienski am Unteren Hardthof findet in diesem Jahr vom 26. Juni bis 8. Juli wieder eine Ausstellung keramischer Kunst mit Workshops am Unteren Hardthof statt.
Organisiert und verantwortet wird diese Veranstaltung von dem Keramikkünstler und OKB-Mitglied Berthold Zavaczki. Er hat für die angebotenen workshops hochkarätige, internationale Keramikkünstler eingeladen!
Wir empfehlen die Veranstaltung Ihrer Aufmerksamkeit und würden uns über Ihren Besuch, bzw. Teilnahme an den workshops sehr freuen!

 

Das Programm und die Anmeldung finden sie hier.

Der Vorstand
Rainer Gläsel (Vors.)
Dieter Hoffmeister (Stellv. Vors.)

 







Einst Brauerei und Ausflugsziel

Am Tag des offenen Denkmals, am 13.9.2015 ist der Untere Hardthof für Besucherinnen und Besuche von 12.00 Uhr bis 16.00 Uhr geöffnet. Führungen über das Gelände des Hardthofs finden um 13.00 Uhr und 14.30 Uhr statt.

 In der Galerie des Unteren Hardthofs wird eine Ausstellung historischer Relikte und Dokumente des Hardthofs gezeigt. Die Eiskeller sind geöffnet und wir erzählen Ihnen etwas über das Bierbrauen um die Jahrhundertwende. In und vor der Galerie gibt es Kaffee und Kuchen, wie schon damals serviert.

 

Vor 150 Jahren ein großer Gutshof mit Brauerei, seit 1920 im Besitz der Stadt für 50 Jahre dem Verfall preisgegeben, präsentiert sich der Untere Hardthof heute als ein denkmalgeschütztes, attraktives, hochwertiges Wohnquartier am Rande der Stadt Gießen.

Die Baugeschichte des Unteren Hardthofs ist in den Archiven der Stadt Gießen seit 1859 dokumentiert. Die Brauerei bestand damals schon. 1868 übernahm Friedrich Textor Landwirtschaft und Brauerei von den Gebrüdern Heyer. Er erweiterte die Anlage erheblich und baute sich 1883 als Wohnsitz eine repräsentative spätklassizistische Villa, sowie oberhalb der Brauerei ein Ausflugslokal mit Biergarten: Textors Terrasse. Nach seinem Tod 1892 erwarb Georg Bichler die Anlage. Seine umfangreichen Ausbauten und Erweiterungen bis 1905 gaben dem Unteren Hardthof sein heutiges Erscheinungsbild. Das turmartige Brauhaus und die Aufbauten auf den drei riesigen, jeweils ca. 1200 m³ fassenden Eiskellern haben eine zweifarbige, stark gegliederte Fassade aus Gail´schen Klinkern, die von der burgartigen Formensprache der Industriebauten des Historismus geprägt ist.

Auch das Ausflugslokal wurde vergrößert. Dazu entstand ein Sportfeld mit Radrennbahn und der Untere Hardthof wurde ein beliebter Vergnügungspark für die Bevölkerung Gießens.

Die Finanzkrise nach dem 1. Weltkrieg überstand die Brauerei jedoch nicht. Das Anwesen ging in den Besitz der Stadt über und wurde der Universität als Versuchsgut überlassen.

Als man Mitte der 1970er Jahre im Zuge des Baus eines Autobahnrings um Gießen den Abriss des Hardthofs erwog, waren die Gebäude in einem desolaten Zustand. Eine Gruppe von sieben Kulturschaffenden gründete damals die Interessengemeinschaft, später Verein Unterer Hardthof, und verhandelte mit der Stadt die Überlassung der Gebäude, um sie zu Wohn- und Arbeitszwecken auszubauen und aus dem Hardthof ein kulturelles Zentrum für Gießen zu machen. Der Untere Hardthof wurde 1977 als Gesamtanlage unter Denkmalschutz gestellt, was aber leider nicht verhindern konnte, dass der gesamte südliche Abschluss des Hofes einschließlich der Villa dem Straßenbau weichen musste. Bis zum Beginn der 90er Jahre wurden nach und nach Teile des Unteren Hardthofs in Erbpachtverträgen unter Beteiligung des Vereins Unterer Hardthof an Interessenten zum Ausbau vergeben.

Die Besitzübergänge danach vollzogen sich dann aber nach den Regeln des freien Immobilienmarktes. Aus Ateliers und Theaterräumen wurde Wohnraum.

Dennoch hat sich ein Rest des Ursprungskonzepts erhalten können. Der Verein Unterer Hardthof ist Eigner eines Galerieraums, dem ehemaligen Kesselhaus, in dem bis heute in unregelmäßigen Abständen Ausstellungen und Konzerte stattfinden. Alle 2 Jahre veranstaltet der Verein unter dem Motto: Hardthof/ARThof ein Kunst- und Kulturfest mit Kunst-, Musik- und Performancedarbietungen, bei dem auch die weitläufigen Eiskeller bespielt werden.







ROMANTIK, REALISMUS, REVOLUTION. Das 19. Jahrhundert.

Am Tag des offenen Denkmals, am 11.9.11 ist der Untere Hardthof für Besucherinnen und Besuche von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Führungen über das Gelände des Hardthofs finden um 11.00, 12.00 und 15.00 Uhr statt.

 In der Galerie des Unteren Hardthofs wird eine Ausstellung historischer Relikte und Dokumente des Hardthofs gezeigt, und in und vor der Galerie gibt es Kaffee und Kuchen, wie schon damals serviert.

 

Der Verein Unterer Hardthof in Gießen lädt ein

Die industriellen Entwicklungen des 19. Jahrhunderts und die dadurch entstehenden neuen Ansprüche an Lebensqualität brachten neue Bauaufgaben hervor – u.a. Bahnhöfe, Fabrikgebäude, Wassertürme und auch Brauereien. Man bemühte sich, alle noch so profanen Gebäude nicht nur nach der jeweiligen Funktion, sondern auch nach ästhetischen Gesichtspunkten auszuschmücken und bediente sich dazu historischer Vorbilder von Burgen und Schlössern, Kirchen und Kathedralen. Im gründerzeitlichen Historismus verwendete man alle historischen Stile gleichzeitig, oft sogar vermischt an einem Bau.

Der Untere Hardthof lag im 19. Jahrhundert weit außerhalb der Stadt jenseits der Lahn am Rande der Hardt. Eine schon Mitte des Jahrhunderts hier bestehende Brauerei wurde in der Gründerzeit durch eine heute noch bestehende Malzdarre mit Speicher (1868) sowie kleine Verwaltungsgebäude (1873,1878) ergänzt. In der Folge erweiterte der Besitzer Friedrich Textor den Brauereikomplex und erbaute auch das oberhalb der Brauerei gelegene Ausflugslokal „Textors Terrasse“ (heute Jugendherberge). Nach dem Tode Textors (1892) erwarb Georg Bichler die Textor-Brauerei und erweiterte und modernisierte sie in den Jahren 1898 bis 1905 erheblich. Neben der ehemaligen Malzdarre sind es vor allem die um 1905 erbauten Gebäudeteile, die heute das Gesamtbild prägen. Besonders das turmartige Sudhaus und die ähnlich gestalteten Aufbauten auf dem mächtigen Eiskeller wirken durch ihre zweifarbigen, stark gegliederten Klinkerfassaden auch auf große Entfernung. Hauptcharakteristikum sind die dekorativen, rot abgesetzten Klinkermotive, die romantische Burgassoziationen hervorrufen, aber auch schon den Jugendstil ahnen lassen. Nachdem Georg Bichler auch den Oberen Hardthof erworben hatte, ließ er dort kurz nach der Jahrhundertwende den markanten Wasserturm im gleichen historistischen Stil erbauen.

 

Von 1890 bis 1924 war die Brauerei Textor mit ihren großzügigen Anlagen ein Freizeittreffpunkt für Gießener Bürger und Besucher aus der Umgebung. Allerdings überstand die Brauerei die Krisenjahre nach dem 1. Weltkrieg nicht: 1924 übernahm die Stadt Gießen die Anlage und verpachtete sie an die Universität als Versuchsgut. Im folgenden halben Jahrhundert verfielen die nur teilgenutzten Gebäude allmählich. Anfang der 70er Jahre wurde ein Abbruch der ehemaligen Brauereigebäude erwogen. Doch schaffte es die 1976 entstandene „Interessengemeinschaft Unterer Hardthof“, ein Zusammenschluss von Künstlern und Kulturschaffenden, Stück für Stück des Komplexes in Erbpacht zu übernehmen und für neue Nutzungen auszubauen. Trotz großer Eingriffe (Abriss der vorderen, den Hof abschließenden Gebäudezeile für den „Gießener Ring“) hat der Untere Hardthof seine Atmosphäre insgesamt bewahren können. Er wurde wegen seiner wirtschafts- und technikgeschichtlichen Bedeutung und seinem hohen Erinnerungswert für die Gießener Bevölkerung als Kulturdenkmal eingestuft. Dies umfasst sämtliche noch erhaltenen Gebäude der historischen Brauerei, die unterirdischen Anlagen, die Kopfsteinpflasterung und den alten Baumbestand.

 

Der Untere Hardthof ist ein Beispiel dafür, wie sich in altem Gemäuer modernes Wohnen und Arbeiten verwirklichen lässt. Die Eigentümer haben die Denkmalpflege als Herausforderung begriffen, die sich in dieser Form nur im spannungsreichen Umfeld einer alten Industrieanlage entwickeln konnte – zwischen Romantik und Realismus auch im 21. Jahrhundert.







Helga Kämpf-Jansen

Wir trauern um Helga Kämpf-Jansen, eine der „Ureinwohnerinnen“ des Unteren Hardthofs und eine sehr bekannte Kunstpädagogin, die am 19. Februar nach schwerer Krankheit im Alter von 71 Jahren in Kassel verstorben ist. Die zahlreichen schönen Momente mit ihr werden uns in dauerhafter Erinnerung bleiben.

Text und Bild: Kunst + Unterricht; Heft 351/ 2011

 

Von Adelheid Sievert

Viel zu früh ist Prof. Dr. Helga Kämpf-Jansen am 19. Februar 2011 nach langer schwerer Krankheit in ihrer Heimatstadt Kassel in ihrem Haus gestorben. 

Erst 2008 war sie in dieses von ihr liebevoll ausgestaltete Refugium gezogen, ihrem Paradies, wie sie sagte.

In Kassel wurde sie am 4. Oktober 1939 geboren. In dieser im Krieg fast völlig zerstörten Stadt ist sie in einer Arbeitersiedlung aufgewachsen. Der Weg ins Realgymnasium für Mädchen war weit und wurde von ihr meist mit dem Fahrrad zurückgelegt. Sie eroberte sich damit aktiv den in ihrer Ausgangssituation und zu dieser Zeit für Mädchen durchaus nicht selbst- verständlichen Zugang zur „höheren“ Bildung. In einem der ersten Kunstleistungskurse in Hessen hatte sie Glück mit ihrem Kunstunterricht. Zugleich entdeckte sie die Kunst in Kassel und ging über Monate täglich nach der Schule ins Museum. Von da an war Kunsterfahrung als besonderer Zugang zur Welt für sie immer präsent. In einem biografischen Interview begründete sie später ihre Entscheidung gegen das Studium an der Kunstakademie und für die Ausbildung als Volksschullehrerin mit dem Wunsch, in der Grundschule Kinder in allen ihren Lernbereichen und nicht ein gymnasiales Fach unterrichten zu wollen.* Zum Studium ging sie daher an das Pädagogische Institut in Weilburg. Direkt nach dem 1. Staatsexamen wurde sie als Junglehrerin in Frankfurt / M. eingestellt – und hatte sich damit schon mit Anfang Zwanzig die finanzielle Unabhängigkeit gesichert. Fünf Jahre arbeitete sie als Lehrerin in der Großstadt Frankfurt in verschiedenen Schulen. Im linken intellektuellen Umfeld der kritischen Theorie hat sie 1966 mit ihrem damaligen Ehemann Günter Kämpf den Anabas-Verlag gegründet. 

1968 wurde sie mit 29 Jahren als pädagogische Mitarbeiterin an das neue Institut für Kunsterziehung der Justus Liebig-Universität in Gießen geholt, wo sie die Position der Visuellen Kommunikation tatkräftig mitgestaltete. Sechs Jahre war sie Mitglied der Arbeitsgruppe zur Entwicklung der Hessischen Rahmenrichtlinien „Kunst“. Aus dieser Gruppe heraus wurde sie 1976 zusammen mit Johannes Eucker und Hermann Hinkel auf Einladung von Gunter Otto Mitherausgeberin der Zeitschrift Kunst+Unterricht und blieb dies bis 1990 – als einzige Frau in der Runde. In dieser Zeit verantwortete sie viele Hefte, die es ohne sie wohl kaum gegeben hätte: über Objekte und Dinge, Kitsch und Triviales, Werbung, Körper, Metamorphosen, Geschlechterrollen und ästhetische Leitbilder, Kolleginnen, Mädchenbilder, Bilder der Nacht, Gewaltdarstellungen, … Diese Themen wurden von ihr im kritischen Diskurs, aber auch in Unterrichts- versuchen und konkreten Unterrichtsmaterialen erarbeitet und vorgestellt – als Aufforderung zum eigenen Nachdenken und Handeln. Dabei suchte sie hinter den banalen alltäglichen Dingen ebenso wie in der Kunst nach den „großen Gefühlen“; Liebe und Tod, Thanatos und Eros begleiteten sie, seitdem sie erwachsen wurde.* Als leidenschaftliche Hochschullehrerin, Künstlerin und Wissenschaftlerin, entwarf sie Projekte und Anstöße zur Veränderung der von ihr engagiert und kritisch zugleich erlebten gesellschaftlichen Realität des Faches Kunst. Die größte persönliche Herausforderung stellte hier das Projekt „Kunst im Strafvollzug“ dar, dessen Leitung sie von Hermann K. Ehmer 1983 übernahm und weiterführte bis zu ihrer eigenen Berufung 1992 als Professorin für Kunst und ihre Didaktik an die Universität Paderborn. Parallel zu diesen verschiedenen Aufgaben hatte sie 1987 bei Gunter Otto ihre Promotion abgeschlossen.

Helga Kämpf-Jansen hat erst spät – im Jahr 2000/2001 – in Paderborn ihr kunst-pädagogisches Lebenswerk mit dem Begriff „Ästhetische Forschung“* zu einer eigenständigen Fachkonzeption profiliert und prägt damit bis heute durchaus kontrovers aber nachhaltig die kunstpädagogische Diskussion. Als sie ein Jahr nach der Veröffentlichung zum ersten Mal am Krebs erkrankte, nahm sie auch diese Herausforderung auf und erkämpfte sich weitere Jahre der leidenschaftlichen Vermittlung ihrer Ideen und der künstlerischen Arbeit. Denn für Helga Kämpf-Jansen war Ästhetische Forschung ein Lebenselixir, eine lebenslange persönliche Grundhaltung, die sie immer wieder aufs Neue in wissenschaftlichen, künstlerischen und alltäglichen Feldern verfolgte und niemals wirklich beendete. Auch mit ihren letzten Besuchern sprach sie noch über neue Pläne und Ausstellungsprojekte.

Alle, die sie persönlich kannten, werden diese starke Frau, Kollegin, Lehrerin, Hochschullehrerin, Freundin so in Erinnerung behalten wie sie uns dieses Foto kurz vor ihrer erneuten Erkrankung im Sommer 2009 noch einmal zeigt: Selbstbewusst und herausfordernd lächelnd schaut sie uns von oben sehr zugewandt direkt an – „dann macht mal weiter …“

Literatur

* Blohm, Manfred / Heil, Christine / Peters, Maria / Sabisch, Andrea/Seydel, Fritz (Hg.): Über Ästhetische Forschung. Lektüre zu Texten von Helga Kämpf-Jansen. München 2006.

* Kämpf-Jansen, Helga: Ästhetische Forschung. Wege durch Alltag, Kunst und Wissenschaft. Zu einem innovativen Konzept ästhetischer Bildung. Köln 2000.